Fröhlich jauchzt der kleine Herr
in seiner Wanne! Es ist ja auch zu
schön, mit dem Schaum zu spielen!
Seine Freude steckt mich an! Einfach
nur da sein und genießen!
Die Jahreslosung für 2012 spricht
von den Schwachen! Paulus schreibt
im 2. Brief an die Korinther im
12. Kapitel, Vers 9: "Meine Kraft
ist in den Schwachen mächtig!"
Aber wen zählen wir in unserer Gesellschaft zu den
Schwachen? Zuerst sind es die Kinder. Es sind die
Schutzbefohlenen, für die wir Verantwortung tragen,
dafür dass ihnen kein Leid angetan wird, dass sie
in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und für
Nahrung und Bildung gesorgt ist. Es sind die
älteren, gebrechlichen Menschen, die auf unsere
Hilfe angewiesen sind. Menschen, die der guten
Pflege und vor allem der Zuwendung durch ein
mitfühlendes Gegenüber bedürfen. Ich denke an
Menschen, die krank sind. Mehr als um ihre
Gesundheit sind wir aufgerufen, uns um ihr
seelisches Wohlergehen zu kümmern. Ich denke an
die Obdachlosen unserer Stadt, an Menschen,
die verschiedene Süchte und Abhängigkeiten haben.
Und ich sehe die, denen wir den Titel "Arme der
Gesellschaft" geben.
Für die so genannten "Schwachen" tragen wir
Verantwortung. Das sagt die Bibel nicht nur an dieser
Stelle. Viel bekannter ist der allen geläufige Satz
"Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst" oder in
einer anderen Übersetzung "Liebe Deinen Nächsten,
er ist wie Du" (Lk 10,27). Was ist nun das Besondere
an dieser Jahreslosung? Paulus schreibt den
2. Korintherbrief in einer Situation der Bedrängnis.
Paulus muss sich mit Anfeindungen auseinandersetzen.
Ihm wird nachgesagt, er sei kein guter Missionar,
weil es ihm an Ausstrahlung und Redegewandtheit
fehlt. Das macht ihn betroffen, weil er um seine
Grenzen weiß. Er wünschte sich anders zu sein und
mehr von dem zu haben, was die Menschen brauchen.
Darum bittet er Gott. Denn er will die göttliche
Botschaft würdig vermitteln. Aber Gott sagt: "Nein!"
Er sagt: "Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn
meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." Gott sagt
zu Paulus: "Das alles brauchst Du nicht. Gerade da,
wo Du mit Deiner scheinbaren Stärke nicht im Weg
stehst, da kann ich hineinkommen. Aus dieser Mitte
heraus kann ich strahlen. Du musst es nur zulassen."
Das macht mich nachdenklich. Überheben wir uns nicht
gar zu schnell über die Schutzbefohlenen? Erklären
wir ihnen nicht, was gut und richtig ist und wie
sie sich einer Wohlstandsgesellschaft am besten
anpassen können? Versuchen wir sie nicht in ein
Raster der Schicklichkeit und des angemessenen
Verhaltens einzuspannen? Damit behalten wir Macht und
Oberhand und fühlen uns stark. Der Andere muss schwach
bleiben, sonst wird es für uns gefährlich. Dann
entdecken wir womöglich im Obdachlosen etwas von unserer
eigenen Ruhelosigkeit. Oder wir sehen in der einsamen
Frau unsere eigene Trauer um Verlorenes. Vielleicht
nehmen wir im Kind, welches verträumt spielt und die
Welt um sich herum vergisst, wahr, dass wir eine
Sehnsucht nach eben diesem Gefühl haben.
"Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig." - Sollten
wir nicht erst einmal auf unsere eigene Schwäche
schauen und diese zulassen? Dann können wir vielleicht
auch Gottes Kraft spüren.
Ihre Pfarrerin K. Wunderwald