manche Gaben sind versteckte Gaben. Es gibt Menschen,
die können sich gut nach außen präsentieren. Andere bleiben
eher im Schatten. Man erkennt, dass sie im Hintergrund
gewirkt haben, man ist dankbar dafür, aber sie zeigen
sich nicht nach außen. Daran erinnert mich das Titelbild.
Dietrich Bonhoeffer hat in seiner Schrift „Widerstand und
Ergebung“ Gaben benannt,über die wir selten oder nie
nachdenken, die mir aber wichtig erscheinen. Er schreibt:
„Nicht Genies, nicht Zyniker, nicht Menschenverächter,
nicht raffinierte Techniker brauchen wir, sondern schlichte,
gerade, einfache Menschen … (Menschen können)… einen schönen
ansprechenden Gemeindebrief machen – aus dem Herzen
beten – sich exponieren und etwas riskieren um einzelner
Menschen und Gruppen willen – Menschen zur Mitarbeit
gewinnen und ihre Beiträge unzensiert stehen lassen – dem
Verstand unnötige Barrieren wegräumen – unbequem sein
und querdenken – organisieren ohne zu herrschen – Sitzungen
so leiten, dass sich niemand in ihnen erschöpft – Ordnung
halten und Ordnung schaffen, sodass sie hilfreich und
liebenswert bleibt – mit Liebe etwas schön machen und
schmücken – Menschen „zentrieren“ ohne sie zu
drillen – viele um einen gastlichen Tisch
versammeln – Spannungen fruchtbar machen – dem Lachen
Raum geben und dem Weinen – Ordnungen stören, wenn
nötig – Menschen den Glauben ins Herz bringen.“ Mir
gefallen diese Gaben! „Sich exponieren, etwas
riskieren“: Wer das macht, wird angreifbar. Wer nach
außen tritt, wer sagt, was er denkt und zudem unbequem
ist, der bietet anderen Redestoff. Sie können zustimmen
oder sich abgrenzen, sie können sich solidarisieren
oder dagegen kämpfen – auf alle Fälle bedeutet es für
denjenigen alles andere als Ruhe.
Eine tolle Gabe, wer sie richtig anwenden kann!
“Menschen zentrieren ohne sie zu drillen“: Menschen
zusammenzuführen, das schaffen die, die großzügig
sind, die Liebe ausstrahlen, einladend auf andere wirken,
die einem sagen: „Du wirst gebraucht – ohne Dich fehlt
etwas!“ Oder die es nicht einmal sagen müssen, sondern
die andere zur Mitarbeit bewegen, weil sie sie würdigen.
Weil sie ihnen zeigen, dieses große Ganze ist mir
genauso wichtig wie Dir. Zentrieren ohne zu drillen,
da höre ich eine Einladung zur Gewaltlosigkeit in allen
Belangen. „Spannungen fruchtbar machen“: Diese Gabe
können nur wenige Menschen zur Entfaltung bringen.
Normalerweise flüchten wir bei Spannungen. Wir spielen
Katze und Maus, sehen und hören nichts und hoffen, die
Spannungen verflüchtigen sich schnell wieder. Nur
wenige Menschen schaffen es, sie offen und direkt
anzusprechen. Natürlich – das ist gefährlich – unter
den Teppich gekehrt muss man sich nicht damit
auseinander setzen. Aber das Ansprechen der Spannungen
allein reicht nicht. Es geht darum, wirkliches
Verstehen zu fördern, zuhören, miteinander über die
unterschiedlichen Vorstellungen zu sprechen.
Spannungen zeigen uns ja oft: Da bewegt uns alle
etwas, etwas ist uns sehr wichtig. Und das gilt es
verständlich herauszuarbeiten und fruchtbar zu machen.
Hierin zeigt sich, inwieweit ich bereit bin,
Verantwortung für eine Gemeinschaft zu
übernehmen – auch dafür, dass eine gute Atmosphäre da ist.“
Die Gaben werden in der Bibel „Charismen“ genannt
und „Charisma haben“ heißt auszustrahlen. Es heißt,
meine mir von Gott geschenkte Gabe nicht unter den
Scheffel zu stellen, sondern sie zum Nutzen der
Gemeinde zum Leuchten zu bringen. Welche sind Ihre Gaben?
Ihre Pfrn. Katrin Wunderwald